Dialog auf Augenhöhe

Beim Expertenforum von buntkicktgut in der alten Kongresshalle trafen Politiker und Wissenschaftler mit jungen Fachleuten der interkulturellen Straßenfußball-Ligen zusammen.
München – Am zweiten Tag der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum von buntkicktgut trafen sich in der alten Kongresshalle 16 Experten, um über die Nutzung von öffentlichem Raum und die Bolzplatz-Situation in München zu diskutieren. Die Moderation übernahmen Özlem Sarikaya (BR-Moderatorin) und Julian Wöhr (buntkicker-Team).
Zum Einstieg und als Grundlage zur anschließenden Diskussion wurden die Ergebnisse einer Feldforschung, die am Tag zuvor von Mete Lüle, Frederik Püls und Loris Weinreich durchgeführt wurde, vorgestellt. Dazu befragten sie an den drei Spieltagen am Tag zuvor (siehe Bericht Seite 8 und 9) Jugendliche zur Situation auf den Bolzplätzen im Hirschgarten, Maßmannpark und Schmellerwiese. Mit Bezug auf ihre Wünschen und Bedürfnissen. Die Studie gab positive wie negative Rückmeldungen wieder. Die Straßenkicker und Straßenkickerinnen hatten dabei sehr konkrete Vorstellungen, was noch verbessert werden müsste, damit öffentliche Räume noch besser auf sie zugeschnitten werden.
Expertenforum – Foto buntkicktgut 2023-07-02 25 Jahre Buntkicktgut_Foto Samir Sakkal (101) 2023-07-02 25 Jahre Buntkicktgut_Foto Samir Sakkal (96) 2023-07-02 25 Jahre Buntkicktgut_Foto Samir Sakkal (71)
Im Anschluss kamen die Experten zu Wort, zu denen Politiker wie Gülseren Demirel und Daniela di Benedetto genauso gehörten wie Andreas Werner vom FC Bayern München oder die Pädagogin Ruth Schwarzenböck. Am wichtigsten aber: Jugendliche von buntkicktgut diskutierten auf der Bühne und aus dem Publikum heraus auf Augenhöhe mit und forderten auch aktiv ein, ernst genommen zu werden. So entstand nach einer Einstiegsrunde, in der alle auf der Bühne ihre Meinung zu den Ergebnissen der Feldforschung äußern durften, eine sehr lebendige Debatte.
Isi, lebende buntkicktgut-Legende und nah an den praktischen Herausforderungen bei der Gestaltung des öffentlichen Raums dran, setzte beispielsweise ein klares Statement im Namen der Jugendlichen: Sie stünden zu wenig im Mittelpunkt bei der Planung, ihre Anliegen würden nicht beachtet und gesehen. Denn es dauere zu lange, bis Vorhaben umgesetzt würden. Ein grundlegendes Problem: Die Verfahren für neue Sportanlagen, wenn es um Reparaturen oder Verbesserungen geht, müssen oft hart erkämpft werden. Außerdem seien die Prozesse zu langwierig. Damit setzte Isi den Startpunkt zu einer Diskussion über Zuständigkeiten, vereinfachte Prozesse für Jugendliche und auch klare Rückmeldungen seitens der Politik, die Anmerkungen der Kinder und Jugendlichen ernst zu nehmen und mitzunehmen.
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Durch die verschiedenen Hintergründe der Experten und Expertinnen gab es unterschiedlichste Perspektiven auf das Thema, was eine differenzierte Betrachtung ermöglichte. Die Debatte hätte wohl Stunden dauern können, so kurzweilig verlief sie und war dann tatsächlich nach zwei Stunden intensivem und vor allem konstruktivem Dialog auch schon wieder beendet.
Es war eine spannende Diskussion, aus der viele Erkenntnisse mitgenommen wurden: Die Ergebnisse der Feldforschung wurden an die Teilnehmer übergeben. Die Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Stadt haben zugesagt, genau zugehört zu haben und sich künftig für die Belange von Jugendlichen und buntkicktgut mehr einzusetzen. Und die Jugendlichen selbst wollen aktiv und laut bleiben – im Idealfall ohne mit unnötigen Hürden und vor allem Grenzen der Bürokratie konfrontiert zu werden. Sondern stattdessen auf Augenhöhe und mit der notwendigen Ernsthaftigkeit. Das Expertenforum war dafür ein toller Start, denn genau so verlief die Diskussion hier.
von Julian
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